„Learn about my other side“

über

zbiografie

Biografie

Ich bin ein Mann, der in keine Schublade passt. Immer schon hatte ich ein bewegtes Leben, musste als Kind und Jugendlicher häufig umziehen und war so gezwungen mich stets neuen Herausforderungen zu stellen. Immer „der Neue“ in der Schule, im Dorf oder der Straße zu sein prägt einen Jungen. Aber es hilft auch dabei dass er lernt sich in neuen Situationen zu behaupten, auf Menschen zu zu gehen und nach einem eigenen Weg zu suchen.
Ursprünglich aus der sogenannten bildungsfernen Schicht stammend, wurde mir schnell klar gemacht dass der Weg zu einer besseren Zukunft nur über harte Arbeit zu erreichen ist. Im Alter von 14 begann ich neben der Schule und in den Schulferien zu arbeiten. Teilweise hatte ich drei Jobs gleichzeitig und half so meiner alleinerziehenden Mutter uns über Wasser zu halten. Trotzdem gelang es mir mich vom Hauptschüler zum Realschüler zu mausern und nach meinem Realschulabschluss gelang mir im Jahr 2001 das Abitur.
Der Sport war über lange Zeit hinweg nicht mein Freund. Als kleiner, untersetzter Junge mit wenig Bewegungstalent tat ich mir schon im Schulsport schwer. In den klassischen Sportarten die man als Kind ausprobiert (wie z.B. Fussball) war ich mehr als nur Talentfrei. Eine Karriere als Profisportler war zwar immer mein Traum, aber nichts wäre mir damals unwahrscheinlicher vor gekommen. Neben der Arbeit und Schule begann ich ebenfalls im Alter von 14 Jahren mit dem Judotraining. Von dem Moment an, als meine Füße die Matten berührten, änderte sich etwas in mir – und in meinem Leben. Zum ersten Mal schien ich etwas gefunden zu haben, in dem ich nicht signifikant schlechter war als alle anderen. Und so blieb ich dem Judo lange Jahre treu. Es half mir mein Selbstbewusstsein zu stärken und konnte mich als erster Sport überhaupt für die Bewegung an sich begeistern. In der Phase um meinen Gymnasialabschluss wurde es mir jedoch zu viel. Das Training war mittlerweile schon zur täglichen Routine geworden und die Wochenenden waren immer reserviert für Wettkämpfe oder Seminare die ich besuchte. Ich hatte das Gefühl mich entscheiden zu müssen zwischen Bildung und Sport und ich entschied mich dazu, die Schule anständig zu Ende zu führen und danach den Kampfsport wieder auf zu nehmen.
Es dauerte fast drei Jahre, bis ich über Umwege wieder zum Kampfsport fand. Bis zu meinem 23. Lebensjahr hatte ich also viel Basketball gespielt und war auf der ständig wachsenden Fitnesswelle mit gesurft. Das alles sollte mich jedoch nie ganzheitlich erfüllen und so suchte ich ständig die Nähe zum Kämpfen. Es fand mich wieder in den verschiedensten Formen. Ich trainierte Kick-Boxen, Boxen, Wing Tzun und sogar ein bisschen Capoeira (zum Glück gibt es davon keine Videos). Schließlich hörte ich von einem Vollkontaktwettkampf, bei dem so ziemlich alles erlaubt sein sollte und mir war klar: Das muss ich machen! Es sollte eine wilde Veranstaltung mit kuriosen Kämpfen werden. Aber am Ende des Tages hatte ich mich mit dem Virus MMA infiziert. Obwohl ich damals nicht ein mal wusste, wie die korrekte Bezeichnung des Sportes lautete wusste ich, dass er mich nie mehr los lassen würde. Denn niemals zuvor hatte ich mich so lebendig und mir selbst nah gefühlt.
Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich gerade in der Mitte meines Pädagogik-Studiums an der Universität Koblenz-Landau. Ich war in verschiedene wissenschaftliche Projekte integriert und hatte den Entschluss gefasst meine Doktorarbeit in Soziologie und Philosophie nach bestandenem Studium anzufertigen. Die Reaktionen meiner Professoren und Kommilitonen auf die Spuren der Kämpfe und der Trainingseinheiten waren sehr gemischt. In einer Atmosphäre in der Toleranz eine Tugend sein sollte und Vorverurteilungen keinen Platz haben sollten, erfuhr ich Engstirnigkeit von vielen – aber auch Anerkennung von einigen. Insbesondere jene Professoren und Dozenten, die ich besonders schätzte schienen sich zu interessieren für diese Sportart die ich betrieb. Sie hatten mich als strebsamen Studenten kennen gelernt und konnten sich nicht vorstellen, dass ich etwas vollkommen absurdes tun würde. Und obwohl ihnen auf den ersten Blick der Sport brutal und martialisch vor kam, baten sie mich ihnen davon zu erzählen.
Durch diese Erlebnisse wurde mir klar, dass die größte Chance für den Sport den ich so sehr liebe hier in Deutschland Fuß zu fassen darin besteht, die Menschen dazu zu bewegen ein zweites Mal hin zu sehen. Und so machte ich im Jahre 2009 meinen Universitätsabschluss in Pädagogik und kämpfte bis zu diesem Zeitpunkt noch viele weitere Male. Mit dem Diplom in der Tasche machte ich es mir zur Aufgabe als Botschafter für den Sport so viele Menschen wie möglich davon zu überzeugen uns eine Chance zu geben. Die ersten Jahre und Monate waren nicht einfach. Es fehlte an Infrastruktur und Wissen. Doch heute bin ich in der glücklichen Lage meinen Traum leben zu dürfen. Der kleine dicke Junge lebt in meinem Inneren weiter und schüttelt manches Mal ungläubig mit dem Kopf, wenn er sich ansieht was ich alles bereits erreicht habe.
Niemals hätte ich gedacht, dass ich eines Tages auch nur ein nennenswerter Teil der MMA-Gemeinschaft werden würde. Niemals hätte ich mir zugtraut mit Sport meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Selbst in zwei Leben hätte ich nicht gedacht, dass irgendjemand mich oder das was ich tue eines Tages gut finden könnte. Aber ich habe gewagt von all diesen Dingen zu träumen. Dieser Traum und der Wille die notwendigen Opfer zu bringen sind die Hauptgründe dafür, dass ich heute tatsächlich als das unumstritten beste Schwergewicht Deutschlands gelte. Ich habe Fans weit über die Grenzen Deutschlands hinaus und bereits fast auf der ganzen Welt Profi-Kämpfe bestritten. Sogar in einem Video-Spiel wurde meine Person als Charakter aufgenommen.

Ich lebe im wahrsten Sinne des Wortes meinen Traum. Er ist aber noch lange nicht zu Ende. Erst wenn die MMA das Ansehen und die Wertschätzung erfahren die sie verdienen, werde ich mich ruhigen Gewissens zurück ziehen können. Vielleicht werde ich es in meiner Karriere nicht mehr erleben, aber ich werde alles tun den größtmöglichen Beitrag dazu zu leisten!

Namasté